Wie ich zur “Burlesque” kam… (2)
Nun stand ich vor einem scheinbar unüberwindlichen Hindernis: Im Gegensatz zu den USA und England, wo es eine ausgeprägte Burlesque-Szene gibt, war in Deutschland zu dem Zeitpunkt selbst Dita von Teese für kaum jemand ein Begriff.
Im ganzen Land gab es, wenn es hoch kommt, eine Hand voll Performer dieses Genres. Darunter Lethal Lily, die erst kürzlich aus den Staaten der Liebe wegen nach Süddeutschland gezogen ist.
Und nun? Sollte das Projekt Dr Sketchy’s Anti-Art School doch scheitern? Tatsächlich gab es wenig Rücklauf auf meine Modell-Suche-Aktionen. Die wenigen Bewerber wollten horrende Gagen und/oder Anfahrt bzw. -flug und Unterkunft sprengten meine finanziellen Verhältnisse. Alles Abblasen?
Ach was. Dank meines reizenden, schillernden Kollegen Hedoluxe und der persönlichen Bekanntschaft mit Lethal Lily war ich zuversichtlich. Die ersten Veranstaltungen würde ich mit deren Hilfe schon rumbekommen. So würde Dr Sketchy’s den potentiellen Modellen Gelegenheit geben von dieser etwas anderen Zeichenstunde zu hören.
Und wenn doch nicht? Hm. Da ich Dr Sketchy’s nunmal unbedingt in Hannover haben wollte, lag es auf der Hand dass ich dann eben selbst in die Bresche springen müsste.
Dann werd ich eben Modell und Burlesque-Tänzerin! Das ist doch nur konsequent, oder?
Ja gut, ich gestehe: Es gab da schon immer diese Leidenschaft für’s Theater, besser gesagt für die Schauspielerei. Das war lange Zeit mein Berufswunsch. Darum war es keine wirklich große Überwindung.
Lange Rede kurzer Sinn - bald drauf hatte ich meinen Debüt-Auftritt im Roadrunner’s in Berlin, wobei ich auch gleich von einem Filmteam (RTL-Extra) begleitet wurde. Deutschlands erster Burlesque-Club, das Queen Calavera in Hamburg folgte, sowie weitere Live- und TV-Auftritte (u.a. erneut RTL).
Im Oktober 2008 startete in Hannover die Partyreihe Burlesque-Palast mit mir als residierender Glamourqueen. Mit schleppendem Erfolg muss ich dazu sagen. Was wiederum kein Wunder ist, da “Burlesque” nach wie vor nur Insidern ein Begriff war. Durch Dr Sketchy’s war ich einfach der Zeit vorraus…
Im April 2009 fand Hannovers erster “Burlesque-Workshop deluxe” unter meiner Leitung statt. Mit sehr viel Spaß und tollen Ergebnissen, die von den Teilnehmerinnen zum krönenden Abschluss einem Publikum präsentiert wurden.
Die Medien halfen gründlich mit und so wurde das Burlesque-Palast Publikum von Party zu Party größer. Im Juli 2009 platzte der Kulturpalast dann auch fast aus allen Nähten.
Obwohl ich ziemlich sicher war, dass der “Trend Burlesque” früher oder später anrollen würde, habe ich verdrängt, dass es in Hannover normalerweise wohl eher später wäre. Denn Hannover ist nicht Hamburg oder gar Berlin! Unterschätzt habe ich auch wieviel Engagement einzelne Personen aufbringen müssen um selbst anderswo Trendiges im eigenen Umkreis bekannt zu machen. Aber es ist eine Erfolgsstory: Hannover ist Trendsetter! Neben den genannten Metropolen gehört Hannover zu den ersten Städten in Deutschland, wo burlesque-mäßig was geht…
Wie würde mein Alltag heute aussehen, wenn ich nicht durch puren Zufall diesen zwei-Minuten-Beitrag über Dr Sketchy’s Anti-Art School im TV gesehen hätte? Bestimmt nicht langweilig, aber was bin ich froh, dass es so und nicht anders gekommen ist.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Zur Zeit arbeite ich an neuen Nummern und plane den nächsten Workshop.
Dies ist Teil (2). Lies auch den ersten Teil: Wie ich zur “Burlesque” kam… (1) vom 10. August 2009